Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Association (İnsan Hakları Derneği, IHD) zufolge sind in der Türkei in den letzten 40 Jahren 1.388 Menschen Opfer gewaltsamen Verschwindenlassens geworden. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die bestätigten Fälle – die Dunkelziffer liege, so die Organisation, deutlich höher. Demnach sind die Sicherheitsbehörden sowie paramilitärische Gruppen für tausende Fälle von Verschwindenlassen zwischen 1980 und 2001 verantwortlich.

In den 1990er Jahren – dem Höhepunkt des bewaffneten Konflikts zwischen den türkischen Sicherheitsbehörden und der Arbeiterpartei Kurdistans (Partîya Karkerên Kurdistanê, PKK) – waren insbesondere Mitglieder der kurdischen Minderheit dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. In den 2000er Jahren sanken die Zahlen im Zuge der verbesserten Menschenrechtssituation in der Türkei, um nach dem Putschversuch im Jahr 2016 wieder anzusteigen. Vor allem diejenigen, die in vermeintlicher Verbindung zur Gülen-Bewegung stehen, sind gefährdet. Anlass zu Sorge gibt auch die ineffiziente Untersuchung dieser Verbrechen durch die Staatsanwaltschaft.

Ein durch die NGO Solidarity with OTHERS veröffentlichter Bericht aus dem Jahr 2020 geht von bis zu 2.000 Verschwundenen zwischen dem Putsch im Jahr 1980 und dem Putschversuch im Jahr 2016 aus, wobei etwa 450 Fälle bestätigt sind.

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