Elisabeth Käsemann

Deutschland, 1977

Elisabeth Käsemann wurde am 11. Mai 1947 in Gelsenkirchen geboren. Ende der 1960er Jahre zog sie nach Buenos Aires und begann dort Wirtschaft zu studieren. Bereits während der Schulzeit und ihres Studiums in Deutschland begann sie, sich politisch und sozial zu engagieren. Auch in Argentinien setzte sie sich neben ihrem Studium in politischen und christlichen Organisationen für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein, nahm an Alphabetisierungsprojekten teil, organisierte Unterstützung für bedürftige Familien, und half politisch Verfolgten außer Landes zu fliehen. Nach dem Militärputsch in Argentinien am 24. März 1976, war sie im Widerstand aktiv. In der Nacht vom 8. auf den 9. März 1977 wurde Elisabeth in Buenos Aires verhaftet und verschleppt. Sie wurde über zwei Monate in den Foltergefängnissen der argentinischen Militärdiktatur festgehalten und gefoltert. Am 24. Mai wurde sie, zusammen mit 15 weiteren Personen, in einem Haus bei Monte Grande bei Buenos Aires erschossen. Ihr Leichnam wurde 1977 nach Deutschland überführt und die Tübinger Staatsanwaltschaft nahm ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes gegen Unbekannt auf. Das Verfahren wurde 1980 aufgrund mangelnder Kooperation der argentinischen Behörden eingestellt.
Aufarbeitung

Die Familie Elisabeth Käsemanns setzt sich seit ihrem Tod für die Aufarbeitung des Falles ein. In den 90er Jahren erreichte sie, mit Unterstützung des in Nürnberg ansässigen Menschenrechtsnetzwerkes Koalition gegen Straflosigkeit. Wahrheit und Gerechtigkeit für die deutschen und deutschstämmigen Verschwundenen in Argentinien, die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Ende 2003 erließ die deutsche Staatsanwaltschaft internationale Haftbefehle gegen hochrangige argentinische Militärangehörige und den ehemaligen Junta-Chef und Staatspräsidenten Jorge Rafael Videla. Es kam zu keinem Prozess in Deutschland, da die argentinische Regierung nach Aufhebung der dortigen Amnestiegesetze die Strafverfolgung der Täter selbst übernehmen wollte und die Auslieferung verweigerte. Der Fall Käsemann wurde von der argentinischen Staatsanwaltschaft aufgenommen und war Teil des Prozesses zu dem geheimen Foltergefängnis El Vesubio, dessen Hauptverhandlung 2010 begann. 2011 wurden Héctor Humberto Gamen und Ricardo Néstor Martínez wegen des Mordes und Freiheitsberaubung an Elisabeth Käsemann zu langjähriger Freiheitsstrafe verurteilt. Jorge Rafael Videla starb im Mai 2013, bevor es in dem Verfahren gegen ihn zu einem Urteil kommen konnte.

2014 wurde die Elisabeth-Käsemann Stiftung gegründet, die sich in der kritischen Auseinandersetzung mit autoritärer und konfliktärer Vergangenheit und ihren Folgen für Gesellschaften in Lateinamerika, Spanien und Deutschland engagiert.