Die ‚Nacht- und Nebel‘-Aktionen der Nazis gelten vielfach als Ursprung des gewaltsamen Verschwindenlassens. Rainer Huhle beschreibt in seinem Aufsatz die Rezeption des zugrundeliegenden ‚Nacht- und Nebel‘-Erlasses.

NN-Erlass (Wolfenbüttel)Rainer Huhle

Der „Nacht-und-Nebel“-Erlass von Adolf Hitler war die Grundlage für eine Praxis des NS-Regimes, Gegner aus dem besetzten westeuropäischen Ausland nach Deutschland zu bringen, zu isolieren und verschwinden zu lassen. Die „Nacht- und Nebel“-Aktionen der Nazis gelten vielfach als Ursprung des gewaltsamen Verschwindenlassens, was allerdings nur bedingt zutrifft. Im Nürnberger Prozess wurde aber das Perfide des Verschwindenlassens bei „Nacht und Nebel“ schon recht genau analysiert und bestraft.

Heute wird das „Verschwindenlassen“ in erster Linie mit Lateinamerika in Verbindung gebracht . Das liegt nicht etwa daran, dass dort extrem viele Menschen Opfer dieses Verbrechens wurden,  vielmehr haben die Opfer und ihre Verbündeten in den Menschenrechtsorganisationen die speziellen Charakteristika dieses Verbrechens genau analysiert und dadurch entscheidend an der Definition des „Verschwindenlassens“ mitgewirkt. Die Mobilisierung weltweiten Protestes  führte schließlich zur völkerrechtlich fundierten Ächtung dieser besonders grausamen Repressionstechnik.

Inhalt

  1. „Nacht und Nebel“ – Die Faszination der Alliteration
  2. Der Platz der „NN“-Gefangenen im „Universum der Konzentrationslager“
  3. Die Macht der Bilder: Der Film „Nuit et brouillard“ von Alain Resnais
  4. Der Stellenwert der „Nacht und Nebel“-Prozedur innerhalb des NSTerror-
    Systems
  5. „Nacht und Nebel“ in den Nürnberger Prozessen
  6. Was folgt aus dieser Rezeptionsgeschichte?

Stand: 15.10.2015