– eine Online-Veranstaltung im Rahmen der Aktionskampagne „Verhaftet und Verschwunden“ der Koalition gegen Verschwindenlassen

(Heinrich-Böll-Stiftung, Brot für die Welt, Instituto CAPAZ)

23. August 2021, 18:00 – 19:30 Uhr (Deutschland), 11:00 – 12:30 Uhr (Kolumbien)

Bei den jüngsten sozialen Protesten in Kolumbien wurden mehr als 300 Menschen als vermisst gemeldet. Die massiven Demonstrationen, die mit einem Nationalstreik gegen die Steuerreform der Regierung von Iván Duque begonnen hatten, sind zum Epizentrum sozialer Forderungen und der Kritik an nicht erfüllten Versprechen des Friedensabkommens geworden. Die Regierung lässt die Proteste gewaltsam unterdrücken und bezeichnet Protestierende als „innere Feinde“ – eine Haltung, mit der schon früher Oppositionelle, soziale Anführer*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen verfolgt wurden.

Kolumbien blickt auf eine lange Geschichte des gewaltsamen Verschwindenlassens zurück. Während des bewaffneten Konflikts sind im Land mindestens 60.000 Menschen verschwunden. Derzeit untersucht die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) im Rahmen des sogenannten „Caso 003“ das gewaltsame Verschwindenlassen im Zusammenhang mit außergerichtlichen Hinrichtungen von Zivilist*innen durch Sicherheitskräfte. Die Leichen der sogenannten „Falsos Positivos“ wurden meist in Massengräbern entsorgt und der Öffentlichkeit als im Kampf getötete Guerilla-Kämpfer*innen präsentiert. Die beteiligten Militärs wurden seinerzeit von der Regierung belohnt und ihre Taten als Triumph im bewaffneten Kampf gegen die FARC-Guerilla dargestellt.

Die Aufklärung sowohl vergangener als auch aktueller Fälle ist die Pflicht des kolumbianischen Staates und grundlegend für einen Friedensprozess, der die Nicht-Wiederholung solcher Verbrechen garantieren soll. Die JEP hat mittlerweile mehrere Maßnahmen zum Schutz von Personen erlassen, die als Zeug*innen oder Anwält*innen am „Fall 003“ beteiligt sind. Anfang Juli wurden die ersten Verfahren gegen mehrere Militärs wegen Mordes und gewaltsamen Verschwindenlassens eingeleitet. Zu den aktuellen Fällen im Kontext der sozialen Proteste gab es bisher keine Reaktion des Staates oder der Justiz.
Gemeinsam mit Vertreter*innen der JEP sowie der kolumbianischen und deutschen Zivilgesellschaft wollen wir die Fortschritte und Herausforderungen bei der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit diskutieren.

Mit:

– Sebastian Escobar (CAJAR, Kolumbien)
– Christiane Schwarz. (Kolko e.V., Deutschland)
– Alejandro Lanz (Temblores, Kolumbien)
– n.n. (JEP Sondergerichtsbarkeit für den Frieden, Kolumbien, angefragt)

Moderatorin: Rosario Fiagri Layús (Instituto CAPAZ, JLU Gießen)

Live-Übertragung auf den YouTube-Kanälen vom Instituto CAPAZ und der Koalition gegen Verschwindenlassen, mit Simultanübersetzung Deutsch – Spanisch

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