Am 15. Januar 2026 jährt sich das Verschwinden von Antonio Díaz und Ricardo Lagunes zum dritten Mal. Die Plattform A dónde van los desaparecidos. arbeitete den Fall mit einer klaren Betonung der Mitverantwortung des Minenkonzerns Ternium sowie der Rolle staatlicher Akteure und dem organisierten Verbrechen ausführlich auf.
Der UN-Ausschuss gegen das gewaltsame Verschwindenlassen (CED) informierte am 21. Oktober 2025 die UN-Generalversammlung über das Vorliegen zahlreicher Hinweise auf eine systematische Praxis des gewaltsamen Verschwindenlassens in Mexiko und die Aktivierung des Artikels 34 der UN-Konvention gegen Verschwindenlassen. Das Verfahren war bereits im April 2025 aufgenommen worden (wir berichteten). Weitere Informationen, auch zu nächsten Schritten, hat der Ausschuss noch nicht veröffentlicht. Die mexikanische Regierung weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Eine Studie der Online-Zeitung Animal Político belegt die Involvierung staatlicher Autoritäten in mindestens 1.500 Fällen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Hinrichtungen und gewaltsames Verschwindenlassen.
Indes wurden auch in den letzten Monaten erneut Massengräber in Sonora und Jalisco gefunden. Letztere befanden sich überwiegend in geringer Entfernung zu der Baustelle des WM-Stadiums für die Fußballweltmeisterschaft der Männer 2026 in Guadalajara. In Sinaloa sind die Zahlen Verschwundener und Ermordeter aufgrund der Kartell-internen Auseinandersetzungen exponentiell angestiegen. In der Touristenstadt Mazatlán verschwinden aktuell 1,6 Personen am Tag.
Im Kampf gegen das Verschwindenlassen erlitt die Bewegung in Mexiko mit dem Tod von Blanca Martínez einen schweren Verlust. Am 10. November 2025 verstarb die Menschenrechtsverteidigerin und Direktorin des Menschenrechtszentrums Fray Juan de Larios in Saltillo (Fray Juan), Coahuila, unerwartet nach einer Operation. Charismatisch, energievoll und herzlich wie ihrer Wegbegleiter*innen sie in Erinnerung halten, hatte sie ihr ganzes Leben dem Kampf um Gerechtigkeit sowie dem Aufbau kollektiver Strukturen gewidmet und begleitete zuletzt unzählige Familien bei der Suche nach ihren Verschwundenen.
Geprägt durch kirchliche Basisgemeinden in Guanajuato arbeitete sie seit den 1990er Jahren in Chiapas, wo sie Bischof jTatik Samuel Ruiz in den Friedensprozessen nach dem EZLN-Aufstand unterstützte und sich dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) anschloss, dessen Direktorin sie später wurde. 2009 folgte sie dem Ruf von Bischof Raúl Vera nach Coahuila, gründete das Fray Juan und machte es zu einem zentralen Referenzpunkt im Kampf gegen das Verschwindenlassen. Unter ihrer Leitung wurden Fälle dokumentiert, staatliche Verantwortung öffentlich gemacht und die kollektive Organisierung der Angehörigen gestärkt, aus der unter anderem der zivile Zusammenschluss Familienangehöriger FUUNDEC (Fuerzas Unidas por Nuestros Desaparecidos en Coahuila) hervorging. In den Jahren 2011 und 2012 trug sie maßgeblich zu landesweiten Mobilisierungen von Familienangehörigen bei und machte die Menschenrechtskrise um das Verschwindenlassen sichtbar.
Sie starb nach einer kleinen chirurgischen Behandlung in einem IMSS-Krankenhaus in Saltillo, ihre Familie hat Klage wegen ärztlicher Behandlungsfehler eingereicht.
Die Menschenrechtsverteidigerin Ana Lorena Delgadillo, die derzeit Mitglied der UN-Arbeitsgruppe gegen gewaltsames oder unfreiwilliges Verschwindenlassen (WGEID) ist, hat einen Nachruf für Blanca verfasst (auf Spanisch).




